Pflegemodell

Die Bewohner des St. Georg-Pflegeheimes werden in ihrer Ganzheitlichkeit gesehen, d. h. Körper, Geist und Seele sind gleichberechtigt zu fördern, zu pflegen und zu bewahren. Der Grundsatz unseres Handelns ist, die Würde des Menschen zu erhalten und zu stärken, ihn als Menschen seiner Zeit, unter Berücksichtigung seines eigenen Willens und seiner Lebensgeschichte anzusehen und zu respektieren. Wichtig ist deshalb, die Pflegemodelle so zu wählen, dass sich Bewohner und Pflegepersonal damit identifizieren können.

Unser Pflegemodell richtet sich zum einen nach der psychodynamischen Pflege, beschrieben von Hildegard Peplau, zum anderen an dem AEDL Strukturmodell (Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des Lebens) von Monika Krohwinkel. Das Modell von Hildegard Peplau ist nach unserer Erfahrung besonders gut geeignet für die Pflege unserer jüngeren Bewohner, das von Monika Krohwinkel eher für die Älteren.

Peplau definiert Pflege als einen bedeutsamen therapeutischen, zwischenmenschlichen Prozess: „Sie wirkt in Kooperation mit anderen menschlichen Prozessen. In spezifischen Situationen, in denen ein professionelles Gesundheitsteam gesundheitsbezogene Dienstleistungen erbringt, beteiligen sich die Pflegekräfte an der Organisation von Bedingungen, die die natürlichen fortlaufenden Tendenzen im menschlichen Organismus unterstützen“. „Erkennen, klären und ein Verständnis dafür entwickeln, was passiert, wenn eine Pflegeperson sich hilfreich einem Patienten zuwendet, das sind die wichtigen Schritte der psychodynamischen Krankenpflege; Pflege ist hilfreich, wenn beide, Patient und Pflegeperson, aus dieser Situation etwas lernen und sich weiterentwickeln können“. Dieser Ansatz von Hildegard Peplau ist besonders geeignet für die Arbeit in der Psychiatrie.

Peplau unterscheidet vier Phasen in der Beziehung zwischen Pflegekraft und Bewohner: Orientierungsphase, Identifikationsphase, Nutzungsphase und Ablösungsphase. Während der Orientierung fungiert die Pflegekraft in der Rolle der unterstützenden Person, die spezifisch notwendige Informationen gibt und dem Bewohner hilft, sein Problem und die neue Situation zu verstehen. Die Pflegekraft kann in eine beratende Beziehung zum Bewohner treten, indem sie ihm zuhört, wenn er von den Ereignissen erzählt, die zu seiner Aufnahme geführt haben und von den damit verbundenen Gefühlen berichtet. Der Bewohner kann der Pflegekraft Rollen zuweisen, etwa die der Mutter, der Schwester, des Bruders usw. Die Pflegekraft reagiert auf diese sehr vielfältigen Prozesse professionell und versteht es, dem Bewohner mit kritischem Urteilsvermögen zu begegnen, jedoch so, dass die Beziehung nicht abbricht.

Wenn sich der erste Eindruck beim Bewohner mehr oder weniger geklärt hat, wenn er zu wissen glaubt, was ihm die Situation bietet, wird er sich mit bestimmten Pflegenden identifizieren. Wenn eine Pflegekraft dem Bewohner gestattet, seine Gefühle auszudrücken und ihm dennoch alle benötigte Pflege zukommen lässt, kann der Bewohner die Krankheit als eine Erfahrung erleben, die seine Gefühle neu orientiert und die positiven Kräfte seiner Persönlichkeit stärkt. Wichtig ist, dass die Pflegekraft die führende Rolle, die der Bewohner ihr zuweist, für die Identifikation nicht aus den Augen verliert.

Wenn der Bewohner sich mit einer Pflegekraft identifiziert hat, die imstande ist, die interpersonale Beziehung einer Situation zu erkennen und zu verstehen, geht der Bewohner durch eine Phase, in der er die angebotene Dienstleistung voll nutzt. Die Ansprüche werden jetzt höher. Zur gleichen Zeit beginnt der Bewohner, sich zu identifizieren und sich auf andere neue Ziele zu orientieren. Dass ein Bewohner die Stufe der Ablösung erlangt, zeigt sich im Pflegeheimalltag. Indem er sich vielleicht auf ein einen Wechsel ins betreute Wohnen oder eine eigene Wohnung oder eine andere Einrichtung vorbereitet, löst er sich nach und nach von alten Bindungen und Abhängigkeiten. Gerade in der Arbeit mit unseren jungen Bewohnern, die wir in die Selbstständigkeit zurückführen wollen, ist das Pflegemodell von Hildegard Peplau sehr hilfreich.

Im gerontpsychiatrischen Bereich wird das Modell Peplau mit dem von Monika Krohwinkel verknüpft. Die Zielsetzung ihres Modells ist das Erhalten, Fördern bzw. Wiedererlangen von Unabhängigkeit, Wohlbefinden und Lebensqualität des Bewohners in seinen Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens. Von wesentlicher Bedeutung für die Pflege sind hierbei Umgebung und Lebensverhältnisse, Gesundheits- und Krankheitsprozesse sowie Diagnostik und Therapie.

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